Wir fliegen zum ersten Mal mit Icelandair. Hauptgrund ist, dass die Airline einen Stopover für max. 7 Tage in Island anbietet und das nutzen wir auf unserem Weg nach Kanada. Uns ist schon klar, dass 1 Woche viel zu kurz für die gesamte Insel ist. Aber ein paar Highlights gehen sich bestimmt aus.
Zuerst heißt es aber warten – und zwar am Hertz-Schalter im Flughafen Keflavik. Es dauert über 1 Stunde bis wir endlich unseren Kia Picanto entgegennehmen können. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h kann man zumindest die schwarze Lavalandschaft entlang der Strecke nach Selfoss genießen. Dort halten wir zum Abendessen. Die Preise hier sind horrend, aber da es schon 20.30 Uhr ist, wollen wir für heute nur noch in unsere Unterkunft „Loa’s Nest“, das wir eine gute halbe Stunde später erreichen. Unser Zimmerschlüssel liegt im gemütlichen Gemeinschaftsbereich bereit und so finden wir uns schnell zurecht.



Am Morgen erwarten uns nicht nur kühle 8 Grad, sondern vor allem Kaffee und frische Waffeln. So gestärkt sind wir bereit für den „Golden Circle“. Wir haben uns entschieden, den gleich zu Beginn zu machen, denn erstens erwarten wir dort die meisten Touristen und zweitens liegt unsere Unterkunft ideal, um das als Tagesausflug zu machen.
Erster Halt ist Gullfoss mit seinen zwei Wasserstufen. Wir haben Glück, dass der Besucherandrang noch nicht allzu hoch ist und der Wind die Gischt nicht in unsere Richtung weht. So können wir in aller Ruhe am Ufer entlangspazieren und die verschiedenen Aussichtspunkte genießen. Ein feiner Kaffee im Besucherzentrum rundet das Programm hier ab.



Nur 10 Minuten Fahrt entfernt liegt das Geysir Center. Das Parken ist kostenpflichtig, Eintritt gibt es keinen und wir können uns so viel Zeit nehmen, wie nötig, um den gut ausgebauten Pfad durch das Gelände zu laufen. Wir bewundern, wie es dampft und blubbert. Hauptattraktion ist der Geysir „Strokkur“, der regelmäßig alle 10 Minuten ausbricht und das 80 bis 100 Grad heiße Wasser bis zu 35 Meter hoch hinausschleudert.






Durch die wilde Landschaft fahren wir nach Pingvellir, wo zwei tektonische Platten aufeinandertreffen und die Verwerfungen in einem Canyon deutlich zu sehen sind. Unsere Zimmerwirtin hat uns eine Route rund um den See Pingvallavatn empfohlen. Auch wenn die Straße zum Teil recht abenteuerlich ist und wir kaum einem anderen Auto begegnen, ist es das allemal wert. Denn die Ausblicke auf den See und und die Berge rundum sind unglaublich schön. Den letzten Stopp machen wir am Krater Kerid. Parkplatz ist kostenlos, dafür zahlt man 700 ISK (ca. 5 EUR) Eintritt/Person. Der Weg rund um den Krater ist gut befestigt und man hat einen tollen Blick auf den türkisblauen Kratersee, der einen wunderbaren Kontrast zum rotbraunen Vulkangestein bildet.
Da wir in Segafoss ohnehin tanken müssen, gehen wir auch noch gleich in die Foodhall. Wir teilen uns eine Pizza, dazu je 1 Bier und schon sind wir 45,- Euro los. Um die Reisekasse zu schonen, kaufen wir uns noch Jause und Getränke für den nächsten Tag im Supermarkt und machen uns auf den Heimweg nach Loa’s Nest.






Heute fahren wir weiter Richtung Süden. Ein romantisches Kirchlein zieht uns an, bevor wir am Gullafoss halten. Der hübsche mehrstufige Wasserfall ist nicht so bekannt und daher auch nicht überlaufen. Er liegt eingebettet in eine grasgrüne Hügellandschaft und wir können ihn in Ruhe von allen Seiten bewundern.









Danach geht es über Schotterpisten zum Nauthúsagil. Da der Fußweg in der Schlucht immer rutschiger und das Wasser immer tiefer wird, müssen wir leider umkehren, bevor wir den Wasserfall erreicht haben.
Dafür ist der nächste Stopp wieder sehenswert. Wir halten an einem Flugzeugwrack. 1969 ist die DC-3, die für die US-Marine am Stützpunkt Keflavik im Einsatz war, abgestürzt und liegt seitdem in der unberührten Landschaft von Hvolsvöllur. Das Wrack ist mehr als nur ein cooler Fotospot, jede Delle und Schraube erzählt von seiner Geschichte.






Ganz in der Nähe stürzen sich die Wasserfälle von Seljalandsfoss ca. 65 Meter in die Tiefe. Für uns einer der schönsten in Island mit der Besonderheit, dass man hinter die Wasserwand gehen kann. Festes Schuhwerk und wasserdichte Jacke sollte man allerdings dabei haben. Durch seine Lage direkt an der Ringstraße, ist er zudem sehr gut besucht.



Zu viel los ist uns am berühmten Skogarfoss. Statt zum Wasserfall zu fahren, beobachten wir die Islandpferde mit ihren lustigen Mähnen und besichtigen das Freilicht- und Heimatmuseum von Skógar. Der Komplex aus drei Anlagen zur Frühgeschichte Islands ist genau so interessant wie das anschließende Technikmuseum. Etwas seltsam mutet da das ganz in rosa gehaltene Café an. Dafür schmecken Kaffee und Apfelstrudel ganz ausgezeichnet.












Ein Tageshöhepunkt wartet noch auf uns: Auf den Klippen von Dyrhólaey gibt es nicht nur einen Leuchtturm aus dem Jahr 1927, sondern auch die putzigen Puffins. Wir werden nicht müde zu beobachten, wie sich die Papageientaucher in die Tiefe stürzen und bewundern den Farbkontrast zwischen Meer, schwarzem Lavastrand und der grünen Ebene. Umrundet man die Halbinsel sieht man Reynisdrangar – die schwarzen Felsnadeln vor Vik und das Felsentor, das die Spitze des Kaps bildet.
Was für ein Tag! Gottseidank wird es in Island im Juli nicht wirklich dunkel, denn es ist schon recht spät, als wir endlich das „Adventure Hotel Geirland“ erreichen. Mit 320,- Euro/Nacht liegt es normalerweise weit über unserem Budget, aber es war nichts anderes mehr in dieser Gegend frei. Dafür liegt es wunderbar mit Blick auf die Berge.









Heute steht ein Tag mit viel Fahrerei an. Daher beschränken wir uns auf zwei Highlights. Und das erste ist zugleich das, was uns in Island am allermeisten beeindruckt: Diamond Beach.
Ja, es ist sehr touristisch und ja, die Parkgebühren sind überteuert. Aber dieser Anblick! Das Eis des Gletschers Vatnajökull schmilzt und bricht in großen Stücken ab. Über die Gletscherlagune werden die Brocken Richtung Meer transportiert und landen in glitzernden Bruchstücken am schwarzen Strand. So beeindruckend! Selbst an einem wolkigen Tag wie heute. Noch schöner muss das Schauspiel sein, wenn die Sonne durch die Eisschichten leuchtet.









Auf dem Rückweg halten wir dann doch noch am Skogarfoss. Der Parkplatz scheint uns nicht ganz so voll wie gestern zu sein. Der 60 Meter hohe Wasserfall zählt zu den meist fotografierten, wobei nur eine wasserfeste Kamera Bilder direkt am Fuß ermöglicht. Zu stark ist der Sprühnebel. Und dann hat man natürlich die vielen Selfiemacher vor der Linse. Wir werden nie verstehen, warum man immer Fotos von sich selbst vor den schönsten Plätzen machen muss. Es ist daher oft viel Geduld gefragt, um einen Moment zu erwischen, auf dem nicht 100 Menschen vor dir in ihr Handy grinsen. Die steilen Stufen hinauf zur oberen Aussichtsplattform lohnen übrigens nicht, da man von dort leider keinen guten Blick auf den Wasserfall selbst hat.



Noch ein kurzer Stopp am „Bra-Fence“, an dem 100erte BHs hängen, bevor wir am Abend unsere Unterkunft in Vatnsholt erreichen. Dieses Mal sind wir in einer Art Guesthouse mit Wohncontainern und Campingplatz. Das Zimmer ist winzig, dafür gibt es ein angeschlossenes Restaurant, in dem wir aufgrund der vorgerückten Stunde zu Abend essen. 22.30 Uhr und die Sonne geht gerade unter.






Wir fahren Richtung Grindavik, wo 2024 ein gewaltiger Vulkanausbruch stattgefunden hat. Die Spuren sind noch überall zu sehen. Aber zuerst machen wir in Raufhólshellir die „The Lava Tunnel“-Tour. Dabei haben wir wieder einmal richtig Glück. Wir haben nämlich nichts vorgebucht, erwischen aber die letzten beiden Plätze für die nächste Tour. Und unser Guide ist auch richtig gut. Mit viel Humor erzählt sie Anekdoten und Geschichtliches. Vor allem der Moment, in dem alle Taschenlampen und Lichter ausgeschaltet werden, ist ganz schön gruselig. Es ist nämlich wirklich stockfinster und für uns unvorstellbar, wie man je einen Ausgang finden kann, sollte man sich hier verirren. Mit 65,- Euro für 1 Stunde ist die Tour allerdings auch nicht ganz billig.



Die Seltún Geothermal Area gibt leider nicht ganz so viel her, wie erhofft. Zwar kann man auf den gut ausgebauten Holzstegen das Gebiet bequem erkunden, der spektakulärste blubbernde Schlammtopf liegt aber gleich am Anfang. Gewöhnungsbedürftig ist auch der charakteristische Schwefelgeruch, der einem schon am Parkplatz entgegenweht. Trotzdem interessant zu sehen, wie aktiv es hier unter der Oberfläche zugeht.



Danach müssen wir einen Stopp in Reykjavik einlegen, denn seit zwei Tagen leuchtet eine Warnlampe in unserem Auto. Und wirklich, wir müssen das Auto tauschen. Wir nutzen die Gelegenheit, um gleich noch einen ersten Eindruck von Islands Hauptstadt zu bekommen. An einem traumhaft sonnigen, 18 Grad warmen Tag genießen wir sogar einen Aperol Spritz im Freien.
Etwa 20 Minuten Fahrt Richtung Norden und wir können unser Zimmer im „Hotel Laxnes“ in Mosfellsbaer beziehen. Das ist ein guter Ausgangspunkt für unsere letzten Ausflüge in Island.






Nach einem ausgiebigen Frühstück fahren wir zur Halbinsel Snaefellsnes. Sie ist eine Art „Mini-Island“ und auf unserem Loop halten wir am idyllischen Wasserfall Bjarnarfoss, beobachten Robben in Ytri Tunga und unzählige Möwen an der Küste von Hellnar. Dann steigen wir auf einen Krater in Saxhóll und kehren in einem süßen „Kaffihús“ ein. Schließlich beenden wir den Tag in den Thermalquellen von Hvammsvik, wo wir in den verschieden heißen Becken entspannen. Was für ein herrlicher Tag mit vielen Eindrücken!















Unseren letzten Tag verbringen wir in Reykjavik mit seinen bunten Straßen, skurrilen Häusern und schönen Plätzen. Es ist Sonntag und bedeutend ruhiger. Außerdem ist es heute nicht so sonnig und vom Meer bläst ein eiskalter Wind. Perfektes Wetter, um zum Abschluss das „Perlan“ zu besuchen. Das ist ein interaktives Museum mit vielen Stationen, einem echten Eistunnel und einer Lava-Show. So bekommen wir doch noch einen Eindruck von einem aktiven Vulkan. Den Abend genießen wir entspannt im Flughafenhotel, denn morgen Vormittag geht unsere Reise weiter nach Kanada. Wir sind schon so gespannt!















(Juli/August 2026)
